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Open Street Map und ein Preisrätsel
… um Ruhm und Ehre, das sollte ich wohl noch ergänzen, falls ein streitsuchender Rechtswegausschöpfer daherkommt. Aber zum preisreduzierten Preisrätsel kommen wir am Ende ‒ um die Spannung zu erhalten.
Erst neulich wurde ich wieder mit der Frage konfrontiert warum ich Straßen mit der OSM-Karte in Marble suche und nicht wie jeder normale Mensch mit Google-Maps oder Google-Earth. Als Antwort taugt dann immer ganz gut, dass ich dort viel mehr Details und Zusatzinformationen sehe. Außerdem ist das ganze häufig aktueller und ich habe in den OSM-Daten bisher weniger Fehler gefunden als in Google Maps ‒ ja wirklich! Und das obwohl ich letzteres deutlich seltener nutze. Die Wahrheit ist aber natürlich mein Open-Source-Fetisch!
In einem frühren Beitrag hatte ich bereits ein ausführliches Interview über OSM verlinkt, welches hier nochmal wärmstens empfohlen sei (Tim spricht mit Frederik und Jochen, welche ein Buch über OSM geschrieben haben).
Zurück ins hier und jetzt: Hinter Open Street Map verbirgt sich eine gigantische Geodatenbank. In Deutschland sind bisher rund 37 Millionen Knoten, 5 Millionen Straßen und Wege und 61 000 „Relationen” (z. B. Bahnlinien) eingetragen. Die Datenbank kann von jedem, der sich dazu berufen fühlt weiter gespeist werden. Und das Tolle ist, dass sie unter einer Creative Commons Attribution-Share-Alike-Lizenz steht. Die Daten können also von jederman kopiert, bearbeitet und weitergereicht werden. Der Kreativität in der Entwicklung neuer Anwendungen sind keine Grenzen gesetzt. Doch halt! Die Lizenz enthält die Share-Alike-Klausel. Das bedeutet, dass jedes Produkt, welches Daten aus OSM verwendet unter der selben Lizenz veröffentlicht werden muss. Das kann ein Problem sein, wenn man OSM-Daten mit Dingen zusammenführen möchte, die unter einer restriktiveren Lizenz stehen. Würde man aus den Daten einen Atlas erstellen und drucken, so könnte man diesen zwar verkaufen, aber jeder der ihn gekauft hat könnte ihn nach Belieben kopieren. Würde man OSM-Daten in einem Forschungsprojekt verwenden, so müsste man das Ergebnis für jederman freigeben. Häufig soll die Freigabe aber auf weitere Forschungsprojekte beschränkt bleiben.
Die Standardanwendung für Geodaten ist natürlich eine Karte. Und deshalb gibt es für Open Street Map verschiedene Renderer, welche die Vektordaten aus der Datenbank in hübsche Bilder umsetzen. Diese Renderer zeigen aber nicht alle Daten an. Sie sind darauf programmiert spezielle Daten durch festgelegte Symbole wiederzugeben. Der Standardrenderer heißt Mapnik. Zum Vergleich sind hier ein paar der möglichen Ansichten dargestellt:






Bei meiner Recherche zu diesem Artikel bin ich auf wahnsinnig viele Projekte gestoßen, welche OSM-Daten verwenden. Hier zeigt sich der Vorteil von Open Source: Im Gegensatz zu anderen Kartendiensten fördert OSM die Kreativität, die Daten können viel effektiver genutzt werden und werden dadurch auch von einer viel größeren Gemeinschaft betreut. Um jedes der gefundenen Projekte hier ausführlich vorzustellen fehlt mir dann doch die Schreiblust. Aber natürlich möchte ich euch das Gefundene nicht vorenthalten, deshalb diese kommentierte Linkliste:
- Open Street Map
- Die Standardkarte.
- Open Street Browser
- Das ist die „Totschlagkarte”. Mit ihr lässt sich wahlweise durch ein Menü sichtbar machen, was das Herz begehrt. Besonders gut geeignet, für Leute, die mal eben irgendwo hingebeamt wurden und sich nun dort zurecht finden müssen. Hier finden sie die Antworten auf die Fragen: Wo ist der nächste Biergarten, Nightclub, Supermarkt, Bäcker, Friseur, Fahrradladen, Sportcenter, Spielplatz, Fahrkartenautomat, Briefkasten…
- OSM 3D
- Ein Projekt der Uni Heidelberg, bei dem versucht wird Höhendaten in OSM zu integrieren, so dass 3D-Modelle von Häusern dargestellt werden können. Das Programm scheint noch etwas buggy zu sein. Jedenfalls ist es bei mir ständig abgestürzt. Aber für einen Screenshot hat es gereicht.
- Open Route Service
- Ein Routing Service eben: „Nach 100m links in die Goethestraße abbiegen.” ‒ Bei der Routenplanung können Sehenswürdigkeiten berücksichtigt werden. Das ist sicher besonders dann sinnvoll, wenn man als Verkehrsmittel „Fußgänger” oder „Radfahrer” angibt.
- ÖPNV-Karte
- Muss man einfach benutzen, schon wegen des „ö” in der URL.
- Open Sea Map
- Eine Schifffahrtskarte.
- Open Piste Map
- Eine Skikarte. Es scheinen allerdings wirklich nur professionelle Pisten eingezeichnet zu sein. Für eine Langlauftour taugt die Karte wohl eher nicht.
- Reit- und Wanderkarte
- Enthält markierte Reit- und Wanderwege. Zum Wandern würde ich die Karte allerdings nur für Urlauber und Gelegenheitswanderer empfehlen. Für Einheimische lohnt sich dann wohl doch die Investition in eine gute Wanderkarte. Es gibt aber auch Wanderkarten von großen Verlagen, die nicht mehr Informationen enthalten, als diese Karte.
- Web Map Service
- Hier kann man Strecken und Flächen messen. Außerdem enthält die Karte, wie auch die Wanderkarte, Höheninformationen.
- Open MTB Map
- Eine Mountainbikekarte für Garmin GPS-Geräte.
- Rollstuhlfahrer- und Blindenrouting
- Wikiseiten der Projekte im OSM-Wiki
- Open Layers
- Eine Javascript-Bibliothek zum Darstellen von (beliebigen) Karten mit Navigationselementen.
- OSM History
- Eine Animation der Entstehung Dresdens bei OSM.
- OSM Stammtisch Dresden
- Die Dresdener OSMler treffen sich monatlich im Döner-Laden auf der Mommsenstraße.
- Informationfreeway
- Zeigt Orte an, von denen noch Informationen für die Datenbank begehrt werden.
- Open Street Bug
- Wenn man einen Fehler bei OSM gefunden hat und diese nicht selbst korrigieren möchte, kann man diesen hier mitteilen und andere Community-Mitglieder arbeiten ihn dann ab. Hier sind auch Hinweise auf zukünftige Veränderungen eingetragen, zum Beispiel wenn irgendwo ein Straßenumbau angekündigt wurde.
- Walking Papers
- Hier kann man sich PDF-Karten erstellen lassen. Diese sind in erster Linie dazu da, um sie auszudrucken und damit durch die Straßen zu ziehen. Neue Informationen können dann per Hand eingetregen und die Karte gescannt und wieder hochgeladen werden. Das bietet sich besonders in Gebieten an, wo das Straßennetz schon voll erschlossen ist.
Sehr beeindruckend fand ich auch das Projekt, welches unmittelbar nach dem Erdbeben in Haiti ins Leben gerufen wurde. Innerhalb weniger Tage entstand dort quasi aus dem Nichts eine detaillierte Karte mit Informationen zur Straßenbeschaffenheit nach dem Beben. Es sind die „Zeltplätze” der Obdachlosen und Ambulatorien eingezeichnet. Aber seht selbst: Zu lesen gibt es bei Heise und zu gucken gibt es hier und hier.
Und nun endlich das Rätsel: In den folgenden zwei Differenzbildern sieht man links Objekte, welche in Google Maps enthalten sind, aber nicht in Open Street Map und rechts Objekte, welche in Open Street Map enthalten sind, aber nicht in Google Maps. Die Originalkartenausschnitte zeigen einen Teil des Zentrums einer deutschen Großstadt. In diesem Bereich befindet sich auch das Wahrzeichen der Stadt. Der berühmteste Sohn dieser Stadt ist ein Maler, an den auch im Stadtzentrum erinnert wird.


Zur Entstehung der Bilder: Ich habe bewusst eine deutsche Stadt ausgewählt, weil hier die OSM-Gemeinde besonders aktiv ist. Ein Vergleich mit hohem Detailgrad würde in manch anderen Gebieten der Welt vermutlich nicht viele Unterschiede zwischen Google Maps und OSM erbringen, weil dort einfach noch die Zusatzinformationen fehlen. Für den Kartenausschnitt habe ich die maximale Zoomstufe von Google Maps gewählt und die Zoomstufe von OSM auf den Ausschnitt angepasst. Eine höhere Auflösung hätte in dieser Stadt bei OSM noch einige Details mehr zum Vorschein gebracht. Verwendet habe ich den Mapnik-Renderer von OSM. Es sind also längst nicht alle in der Open-Street-Map-Datenbank tatsächlich vorhandenen Daten dargestellt. Ein paar Bezeichungen habe ich verwischt ‒ sonst wär’s zu einfach.
Wer zuerst den Permalink zur passenden Open-Street-Map-Karte hinterlässt hat gewonnen. (Einfach den Kartenausschnitt einstellen und rechts unten den „Permalink” kopieren. Interessieren würde mich auch der Lösungsweg.)
geschrieben am 30.Januar 2010
Nachtrag
Geolokalisierte Wikimedia-Commons-Bilder in OSM – Das habe ich gerade gefunden: Eine Karte, die sämtliche Bilder von Wikimedia-Commons, die mit einem Orts-Tag versehen sind auf einer Karte platziert. Feine Sache. So findet man leicht Bilder zu bestimmten Orten, welche garantiert unter einer freien Lizenz stehen.
geschrieben am 11.August 2010
Kommentare:
Schöner Artikel mit einer Menge sehr interessanter und mir größtenteils noch unbekannter Links.
Tataa: http://www.openstreetmap.org/?lat=49.457446&lon=11.076882&zoom=18&layers=B000FTF
Du sprachst von einem bekannten Maler aus einer deutschen Stadt und auf der OSM-Karte gibt es ein Albrecht-???-Denkmal. Wer läge da näher als der in Nürnberg geborene Albrecht Dürer. Nun noch rausfinden, dass das Denkmal auf dem Albrecht-Dürer-Platz steht, bei OSM nach „Albrecht-Dürer-Platz, Nürnberg” suchen, fertig! :)
von Das Trio am 31.01.2010
Gut gemacht :) ... natürlich stimmt der Kartenausschnitt nicht exakt, aber da drück ich gern ein Auge zu. Ruhm und Ehre hast du also definitiv gewonnen.
von Koloradokäfer am 31.01.2010
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